Kultur-Denkmal

Das Rittergut Aue ist ein schlossartiger ehemaliger Adelssitz.

Bauherr war im Jahr 1576 Reinhard von Eschwege. Die Herren, später Freiherren von Eschwege waren schon 1435 im Besitz der Wasserburg Aue (direkt auf der gegenüberliegende Strassenseite) und des Ritterguts. Beides als Lehen des Kurfürsten Friedrich II. von Sachsen und Landgrafen von Thüringen, ab 16. Jahrhundert der Herzöge von Sachsen-Eisenach.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde das Herrenhaus erweitert und ein rückwärtiger Anbau erstellt. Um 1800 und danach erfolgten weitere Um- und Anbauten im Innenbereich, am konstruktiven Fachwerk wurde praktisch nur eine Anpassung aufgrund der veränderten Fenstergröße vorgenommen. Die Legende, dass das Gutshaus inmitten des Dreissigjährigen Krieges durch kroatische Reiter abgebrannt worden sei, ist so nicht haltbar. Ein bauhistorisches Gutachten aus 2025 belegt eindeutig, dass es sich bei dem Brand nur um einen Kleinstbrand durch Feuerüberschlag eines Kamins gehandelt haben kann, welcher kaum Schaden anrichtete.

1963 kam das Gut mit dem Herrenhaus, ebenso wie die Ruine der Wasserburg, an die Bodelschwingschen Anstalten Bethel. Seit 1974 ist das Rittergut in Privatbesitz und wechselte mehrfach die Eigentümer.

Das Rittergut Aue liegt am östlichen Ortsende des Wanfrieder Ortsteiles Aue auf 167 m Höhe.

Auf dem Gelände des Ritterguts befinden sich 9 Gebäude. Gegenüber der Hofeinfahrt steht das Gutshaus, am südlichen Rand eines weitläufigen, von Wirtschaftsgebäuden aus dem 19. Jahrhundert allseitig umstanden; südlich, westlich und östlich schließt sich ein baumbestandener Park an.

Ursprünglich gehörte noch ein weiteres Gebäude zum Grund, welches Anfang 2000 abgerissen wurde. Der Abriss erfolgte als Ersatzvornahme, da strassenseitig herabfallende Ziegel Fußgänger gefährdeten und der damalige Eigentümer der notwendigen Sanierung nicht nachkommen konnte.

Zum Rittergut gehörten ehemals weitläufige Acker- und Wiesenflächen, sowie Waldbestand. Außerdem ein im Außenbereich liegender Friedhof des Adelsgeschlechtes der Herren von Eschwege.

Die heutige Hof und Gebäudefläche beträgt ca. 12.000 m2.

Die auffällige Architektur, die jahrhundertelange Anwesenheit des Adels und die Geschichten und Mythen, die sich um das Gut ranken, bilden gemeinsam die besondere Bedeutung, die das Rittergut in der Umgebung hat. Bis in die 70erJahre standen hier Menschen in Lohn und Brot und so ist es kein Wunder, dass viele Menschen noch einen persönliche Bezug zum Rittergut haben.

"Was wären unsere Städte und Dörfer ohne historische Gebäude? Bauwerke, die Geschichten erzählen, die typischen Eigenheiten einer Region verkörpern, Wahrzeichen sind und Menschen über Zeit und Länder hinweg miteinander verbinden?

Historische Gebäude sind unwiederbringlich und einzigartig - und deshalb so schützenswert. Zahllose Leben und Ereignisse haben sie im Laufe der Zeit zu Erlebnis-Speichern werden lassen. In ihnen wird Geschichte greifbar, historische Meilensteine real, große Persönlichkeiten menschlich.
Die Detailfreude und Kunstfertigkeit, die ihre Erbauer im Kleinen und Großen betrieben haben, ist heutzutage oft nicht mehr nachvollziehbar.
Und doch sind Denkmale in Deutschland akut bedroht: durch Baumaßnahmen, die tiefer eingreifen als jemals zuvor, durch wirtschaftliche Drücke, durch Sparzwänge oder zunehmend schädliche Umwelteinflüsse.

Denkmale schützen heißt, unsere kulturelle Identität zu schützen und zu bewahren. Denkmale zu schützen bedeutet auch, Geschichte, Geschichten und Zeitgeist an authentischen Orten der Erinnerung lebendig zu halten. Und Denkmale zu schützen meint, die Kunstfertigkeit und kreative Kraft der Menschen zu bewahren."

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